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Handel in Llardrien

Von einer „llardrischen Händlergilde“ zu sprechen würde den tatsächlichen Zuständen im Chanat keineswegs Rechnung tragen. Zwar hat der Handel innerhalb Llardriens und auch mit anderen Reichen der Ostlande eine lange Tradition, mit Blick auf den Mangel mancher Güter ist er sogar von erheblicher Bedeutung. Trotzdem erschien es den einheimischen Händlern und Karawanenmeistern bis heute nicht erforderlich, sich zu einem Bund aller Händler zusammenzuschließen. Zu groß sind wohl die inneren Differenzen, zu unterschiedlich die Interessen und zu geheimniskrämerisch die alt eingesessenen Händlerdynastien. Nichtsdestotrotz gibt es einige Namen und Gruppierungen im Chanat, welche unter den Handeltreibenden hervorstechen oder die zumindest fragwürdige Berühmtheit erlangt haben.

Die Bagzarak

Die llardrische Minengilde gibt sich keineswegs mit der Förderung und Verarbeitung von Erzen zufrieden. Immerhin garantiert ihr der „Erzvertrag“ auch eine jährlich festgelegte Menge an Erzen für den Eigenbedarf. Die Gilde ist auch stets bemüht dieses Rohmaterial bis auf das letzte Gramm zu verarbeiten – Gerüchte besagen, dass es dank einer völlig undurchsichtigen Buchführung jährlich sogar einige Tonnen mehr als gestattet sind, welche den Weg in die Schmelzöfen der Bagzarak finden. Das hauptsächlich verarbeitete Eisenerz wird zu hochwertigen Werkzeugen für die eigenen Minen und Schmieden, Ketten für die Sklaven und Waffen und Rüstungen für die gildeneigenen Krieger (Eisenträger) verarbeitet. Der Überschuss an diesen Produkten wird von der Bagzarak im ganzen Chanat und auch darüber hinaus zum Kauf angeboten. Die Gilde ist in der Lage große Stückzahlen zu produzieren und kann in jedem Fall einen sicheren Transport in alle Reiche der Ostlande garantieren. Somit hat sich die Bagzarak weniger ihren Ruf durch händlerische Finesse oder besonders kunstvolle Waren erworben. Vielmehr überzeugt sie durch eine rücksichtslose Geschäftspolitik, qualitativ hochwertige Massenware und schnelle Lieferzeiten.

Der Clan der Chopkarr

Ursprünglich aus einem Orkclan der Region Uschguri entstanden, bieten die Chopkarr inzwischen auch fähigen Händlern anderer Herkunft die Möglichkeit sich ihrem Clan anzuschließen. Niederlassungen der Chopkarr kann man in jeder größeren Stadt des Chanates finden. In anderen Reichen der Ostlande versucht der Clan hingegen erst langsam Fuß zu fassen. Häufig arbeitet er mit der Bagzarak zusammen, tritt anderen Händlern aber oft aggressiv und in Einzelfällen durchaus brutal gegenüber. Geschäftlich tun sich die Chopkarr besonders im Sklavenhandel, bei der Vermittlung von Dienstleistungen (Kopfgeldjäger, gildenunabhängige Söldnereinheiten), im Vieh- und im gewinnträchtigen Holzhandel hervor. Clanangehörige fühlen sich ihrer Gemeinschaft sehr eng verbunden und machen dies voller Stolz durch fünf Narben auf der rechten Wange deutlich.

Die Karawansereien von Jaréch

Nun, man muss zugeben, dass es tatsächlich ein geschäftstüchtiger Gnom war, welcher als erster Sinn und Bedeutung des Fernhandels im Chanat begriff. Jaréch von Amchon begann bereits vor mehr als zwanzig Jahren in diesem Geschäftsfeld tätig zu werden und ist heute der wohl bedeutendste und wohlhabendste Handelsherr Llardriens. Alle Waren, welche in größeren Mengen und über erhebliche Strecken transportiert werden müssen fallen mehr oder weniger in seinen Zuständigkeitsbereich. Nicht zuletzt, da ihm die meisten der llardrischen Karawansereien gehören und viele der fähigsten Karawanenführer und der bedeutendsten Vermieter von Lasttieren bei ihm unter Vertrag stehen. Auch wenn die Bagzarak ihre Waren eigenständig transportiert oder die Chopkarr nach Unabhängigkeit von Jaréch streben – früher oder später müssen sie doch auf einen seiner Leute zurückgreifen oder in seiner Karawanserei nächtigen. Jaréch ist auch beim Handel mit den anderen Ostländern seiner Konkurrenz voraus und bemüht sich bereits redlich im aufkommenden llardrischen Seehandel Fuß zu fassen. Während er innerhalb des Chanates selbstverständlich den Vorgaben und Wünschen des Khan Folge zu leisten hat (kostenlose Unterbringung und Begleitung khanischer Gesandter und Molochai, günstiger Transport spezieller Waren für Alchoka etc.), kann Jaréch außerhalb der Heimat viel unabhängiger agieren und hat so beispielsweise spezielle Abkommen mit einigen Clans der Orksteppe getroffen.

Das Weihrauch-Konsortium

Mit seinem blumigen Namen widmet sich das Weihrauch-Konsortium neben dem Handel mit Luxuswaren aller Art insbesondere und mit hohem Sachverstand dem Drogenhandel innerhalb und außerhalb des Chanates. Alleine geschätzte neunzig Prozent von Anbau, Verarbeitung und Vertrieb des allseits geschätzten „Schwarzen Llardriers“ liegen in den Händen des Konsortiums. Während das Konsortium im Chanat sowohl im Ankauf als auch im Verkauf aktiv ist, legen ihm die Gesetze und Regeln anderer Reiche erhebliche Probleme auf. Häufig werden Rauschmittel hier sehr kritisch betrachtet oder ihr Verkauf ist völlig verboten. Offiziell ist das Konsortium deshalb im Ausland meist ausschließlich im Einkauf tätig und veräußert die erstanden Tabakwaren, Alkoholika, teueren Stoffe und Schmuckgegenstände dann im Chanat. Es sollte aber niemand daran Zweifel hegen, dass sich das Konsortium bereits redlich darum bemüht neue und durchaus illegale Kontakte aufzubauen und den Verkauf llardrischer Rauschwaren voranzutreiben. Hauptsitz des Konsortiums ist die Hafenmetropole Chatsap, wobei auch Alchoka und Uschguri über kleinere Niederlassungen verfügen. Das Konsortium befindet sich zurzeit übrigens fest in der Hand einer alteingesessenen elfischen Familie, welche allerdings in praktischen Belangen mit einigen kleinen Goblinclans der Fleesichebene kooperiert. Das Konsortium fühlt sich in besonderer Weise den Karawansereien von Jaréch verbunden und unterhält einige spezielle Verträge mit diesen. Aber auch fast alle anderen Händlergruppen und -bünde verstehen sich ausnehmend gut mit dem Konsortium – großzügige „Weihrauchgeschenke“ haben sicherlich auch ihren Anteil an diesem Wohlwollen.