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Chamdaár - das llardrische Pilgertum

Chamdaár - das llardrische Pilgertum

Das llardrische Pilgertum ist eine alte und in der heutigen Zeit wenig verbreitete Tradition im Chanat. Gemeinhin entscheiden sich nur noch vereinzelt Llardrier oder Llardrierinnen für diesen Weg – entweder aus Frömmigkeit, Abenteuerlust oder aus dem Wunsch nach Buße und Vergebung.

Der Weg der Pilgerschaft ist eine besonders intensive Form der Ahnenverehrung und der persönlichen Läuterung. Der Chamdaár (so die llardrische Bezeichnung für einen Pilger) stellt sich mehrfach dem prüfenden Blick der Ahnen – und dies an geweihten Stätten der Ahnenverehrung und geschichtsträchtigen Orten. Hier sind die Geister der Ahnen in hohem Maße präsent und der Welt der Sterblichen besonders nahe. Zudem sind die Pilgerstätten oft durchaus gefährliche Orte in abgelegenen Regionen des Chanates, so dass die Reise selbst zur Prüfung werden kann. Zugleich ist die Pilgerschaft eine gute Möglichkeit im Chanat herumzukommen und das eine oder andere Abenteuer zu meistern.

Die bekanntesten Pilgerstätten des Chamdaár sind:

Das Gräberfeld von Alchoka

Die Wände der Ahnen am Ufer des Chab-Sees

Das Schlachtfeld von Chabarr

Die Begräbnisstätte Gon-Chakta in den südlichen Ausläufern des Delga-Stocks

Die Schluchten von Taschbedek nördlich von Dschisduri

Die Chall-Hügel nordwestlich von Ob-ar-Menesh

Wer zu einem Chamdaár werden möchte, fertigt sich eine Pilgerkette an. Dieses Erkennungszeichen – bestehend aus sechs großen Ringen (für die Gottheiten des Hexameron) und einer Vielzahl kleiner Ringe (für die unzähligen Ahnen) – wird offen getragen. Es bleibt letztlich dem Pilger überlassen aus welchen Materialien er die Pilgerkette fertigt. Mit dem Segen eines Konduch des Hexameron (egal welcher Gottheit) macht sich der Chamdaár auf den Weg. Eine Reihenfolge der Pilgerstätten ist nicht vorgeschrieben, der Pilger sollte jedoch vorwiegend alleine oder in der Gesellschaft anderer Chamdaár reisen. An jeder Pilgerstätte muss er wenigstens eine Nacht und einen Tag alleine und ungestört im Gedenken an die Ahnen verbringen, es ist aber durchaus üblich jeweils sechs Tage und Nächte zu verweilen. Erholungs- und Genesungspausen sind selbstverständlich möglich. Für jede besuchte Pilgerstätte darf sich ein Chamdaár ein Gedenkstück an den Ahnenringen seiner Pilgerstätte befestigen (einen Stein, eine Gedenkmünze…).

Für die Pilgerschaft gibt es keine zeitlichen Vorgaben. Manche Llardrier sind für ein halbes Jahr als Chamdaár unterwegs, andere bleiben es ihr ganzes Leben. Wer wirklich alle Pilgerstätten besucht hat, verkündet dies einem Konduch seiner Wahl und spendet seine Pilgerkette dem örtlichen Schrein oder Tempel. Im Angesicht der Götter und Ahnen darf der Pilger nun den Titel des Chamdar tragen – ein Status für den es keines äußeren Zeichens bedarf.

Ob man mit seiner Pilgerschaft die angestrebten persönlichen Ziele tatsächlich erreicht hat, bleibt letztlich jedem selbst überlassen…

Im llardrischen Volk sind Chamdaár durchaus angesehen und geachtet. Man gibt ihnen einen Becher vergorene Milch aus, lauscht gerne ihren Pilgergeschichten und versucht sie beim Feilschen um das Nachtlager nicht über Gebühr zu betrügen. Allerdings kann es gerade fernab der Pilgerstätten passieren, dass ein Chamdaár in der heutigen Zeit nicht als solcher erkannt wird oder jüngere Llardrier nichts mit dem Titel eines Pilgers anfangen können.