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Der llardrische Glaube - Das Hexameron -

Einleitung und Glaubensgrundsätze:

Nun soll sich der Blick des geneigten Lesers zuallererst auf den heutigen Glauben im Chanat richten – auf den das Hexameron!

Standhaft wie Festungsmauern, machtvoll wie der Steppenwind und unnahbar wie die höchsten Gipfel des Fango-Stocks – so offenbaren sich die sechs Gottheiten den Sterblichen.

In ihrer Gemeinschaft wie auch ihren Gegensätzlichkeiten bilden sie die Gemeinschaft des Hexameron, auf der Ebene der Sterblichen repräsentiert durch den Ach-Konduch – den allweisen Khan höchst selbst – und die Priester und Tempelvorsteher des Hexameron.

(Auszug aus dem „Lob des Hexameron“ – Steintafel 3, Nordhang des Sechsgipfels, Fango-Stock)


Das Hexameron ist das llardrische Pantheon und setzt sich - wie sollte es bei diesem Namen auch anders sein – aus sechs Gottheiten zusammen. Diese sind:

Torkala und Xarabar, Ittalar und Plaar, Dúnakal und Darélsa

Obwohl jede dieser Gottheiten für eigene Aspekte und Attribute steht, bilden sie in der Gesamtheit eine göttliche Gemeinschaft des Ausgleichs – voller Stärke und Ebenmaß. In ihrem jeweiligen Wirken neigen die einzelnen Gottheiten dagegen ihren ureigenen Aspekten und Attributen überaus stark zu und wenden sich oft sehr deutlich von denen ihrer göttlichen Brüder und Schwestern ab. So kommt es, dass der Glaubende – so er die Weisheit besitzt – seine Gebete und Bitten mit Bedacht der einen oder anderen Gottheit zuwendet und dabei stets seine eigenen Anliegen im Auge behält. Die erflehte Unterstützung Dunakals im Kampfe oder Plaars bei einer Geburt mag dem Gläubigen gewährt werden – und doch wird sie nur schwerlich seinen Wünschen und Vorstellungen entsprechen!

Auch wenn es Grundlage des hexameritischen Glaubens ist, dass sich die Gottheiten niemals untereinander Schaden zufügen, so gilt es doch besondere Zu- und Abneigungen der Götter untereinander zu beachten. Dies mag sich in der Lage von Tempeln und Schreinen zueinander wiederspiegeln und sollte beispielsweise dann Beachtung finden, wenn man bereits mit dem Segen einer Gottheit bedacht wurde und eine weitere Gottheit um Beistand anfleht.

Die Göttergemeinschaften des Hexameron sind

Torkala und Xarabar,

Dunakal und Darélsa,

Ittalar und Plaar.

 

Einander konträr gegenüberstehende Gottheiten sind dagegen

Torkala und Plaar,

Xarabar und Dunakal,

Ittalar und Darelsa.

Ohne sich allzu weit in den Glaubenslehren des Hexameron zu verlieren, kann an dieser Stelle festgehalten werden, dass der Glaube voll und ganz auf die Allmacht, die Allwissenheit und die irdische Präsenz aller Gottheiten baut. Alle Taten, jedes Unterlassen, jedes Gebet und jeder Fluch können die Aufmerksamkeit einer oder mehrerer Gottheiten auf sich lenken und das mehr oder weniger direkte Handeln einer oder mehrerer Gottheiten nach sich ziehen.

Zugleich mag es den Gläubigen beruhigen, dass es die Gottheiten meistenfalls den Sterblichen überlassen ihre Händel auszufechten, Lösungen für ihre Anliegen zu finden und ihre brennenden Fragen zu beantworten. Allein: Weder auf das Eintreten noch das Ausbleiben göttlicher Intervention ist in dieser Welt absoluter Verlass!

 

Glaubensgeschichte:

Erste Zeugnisse, Überlieferungen und Geschichten über die Ursprünge des hexameritischen Glaubens gibt es viele. In den Schriften des Hohen Tempels von Sudschila ist aber glaubhaft das Jahr 150 k.E. benannt, in dem Chombal Langschädel – ein wahrhaft heiligmäßiger Llardrier und erster Prophet des Hexameron – in der Region um Uschguri von sich Reden machte:

Nur mit der Kraft seines Glaubens und der Unterstützung eines schweren Streitkolbens bekehrte Chombal am 1. Ittalar ganz alleine eine vielköpfige Klostergemeinschaft des Fleesich zum Hexameron und sammelte erste Anhänger um sich.

Viele weitere erbauliche und lehrreiche Legenden ranken sich um den Propheten, dessen Grabmal im Umland von Uschguri noch heute von Pilgern besucht wird. Nach Chombals Erleuchtung durch die Gottheiten des Hexameron wurde in den ersten Jahren diese Gnade noch vielen weiteren Anhängern des neuen Glaubens gewährt.

Es bleibt festzuhalten, dass die Lehren des Hexameron und das machtvolle und wenig zimperliche Auftreten ihrer Anhänger im kriegszerrütteten Chanat auf fruchtbaren Boden fielen. Die absonderlichen Praktiken und rückständigen Lehren des Fleesich-Kultes schienen überholt und die barbarische Götzenverehrung der Suwaté war bereits so gut wie ausgerottet. Zudem vermochten die hexameritischen Lehren des Langschädels und seiner Glaubensgenossen alle Rassen, Schichten und Professionen unter sich zu vereinen. Für ein Land, welches über Jahrhunderte hinweg durch innere Streitigkeiten, regionale Konflikte und die Verfolgung einzelner Rassen zerrissen wurde, eine überaus segensreiche Religion. Beginnend in Uschguri überzog der Hexameronglaube so nach und nach das ganze Chanat.

Auch der allweise Khan (Lang sei sein Leben und segensreich sein Handeln allerorts!) folgte dem Ruf der Gottheiten und bekannte sich bereits am 1. Ittalar des Jahres 204 k.E. im Angesicht seiner Heerscharen zum Hexameron. Verbunden mit den militärischen Erfolgen des unbesiegbaren Khan leistete dies dem Glauben weiter Vorschub und schwer bewaffnete Gruppen frommer Frauen und Männer schlossen sich als Gegenleistung seinen Kriegszügen an.

Ebenfalls an einem 1. Ittalar – dem des Jahres 348 k.E., kurz nach der Einigung des Chanates unter der gepanzerten Faust des himmelsgleichen Khan – wurde der Glaube an das Hexameron zur alleingültigen Glaubenslehre des Landes erklärt. Da der Segen des Hexameron völlig unstrittig auf dem großen Khan und seinen Taten lag, wurde er zugleich zum obersten Verteidiger des Hexameron gebrandmarkt – zum Ak-Konduch.

Die alten Gottheiten der vorkhanischen und vorchanatischen Zeit wurden geächtet. Ihre Tempel und Schreine wurden durch die Anhänger des Hexameron zerstört oder in Heiligtümer der sechs Götter umgewandelt. Wer an den alten Göttern und ihren Lehren festhielt wurde erschlagen oder zur Sklavenarbeit in die Minen geschleppt. Nach und nach wurden so die Spuren Fleesichs und der Suwaté-Gottheiten aus der Geschichte des Chanates herausgebrannt.

In heutigen Zeiten mag man sich gelegentlich über seltsame Ortsnamen – man denke nur an die Fleesich-Ebene – oder vom Wind abgeschliffene Tempelruinen wundern. Die unheilvollen Lehren der alten Gottheiten aber sind aus dem Chanat verschwunden. Abenteuerlustige Zeitgenossen können bei den Stämmen der Orksteppe oder den Tlalóc-Kulten der Trolle Überbleibsel dieser alten Glaubenslehren finden, doch das Chanat erwehrt sich ihrer mit Frömmigkeit und scharfem Stahl!

 

Priesterschaft und Hierarchie:

Auch der hexameritische Glaube kennt einzelne seiner Vertreter, die sich durch besondere Frömmigkeit, Standfestigkeit im Glauben, Hingabe an das Hexameron und Begabung in der Lehre hervortun. All diesen steht der Weg des Konduch offen – was mit dem Priesteramt anderer Glaubenslehren durchaus vergleichbar ist.

Die Hierarchie der Konduchi ist relativ flach und hat sich über die Zeit in dieser Form verfestigt. Ihre Ursprünge liegen vermutlich in den Glaubenshierarchien der Suwaté und es waren somit in erster Linie Menschen, welche mit dem Aufbau eines solchen Systems begannen.

An der Spitze der Hierarchie steht der göttergleiche Khan: der Ak-Konduch und oberste Verteidiger des Hexameron. Sein Wort hat in allen Glaubensfragen das größte Gewicht und er allein spricht für alle sechs Gottheiten.

Unter ihm stehen die sechs Alach-Konduch, die Hochgeweihten der einzelnen Gottheiten. Ihnen obliegen die religiöse und die weltliche Leitung der vielköpfigen Gemeinschaft aus Priestern – Konduchi genannt, Tempeldienern, Wächtern und Sklaven.

Während die Alach-Konduch allein durch den großmächtigen Khan höchst selbst – in seiner Rolle als Ak-Konduch – in Amt und Würden berufen und auch wieder degradiert  werden können, ist es jedem altgedienten Konduch nach fünf Jahren Dienst an seiner Gottheit möglich neue Konduchi zu ernennen und zu weihen.

Alle klerikalen Ränge des Chanates verlangen nach einer Weihe an deren Abschluss das Brandzeichen der jeweiligen Gottheit steht. Gottesfürchtige Konduchi tragen dieses Zeichen stolz auf der Stirn oder der linken Wange – es sind aber auch weniger exponierte Körperstellen opportun.

Konduchi müssen sich in ihrer Kleidung nicht von anderen Llardriern abheben. Gemeinhin ist ein Konduch allerdings nicht nur bemüht sich in seinem Verhalten von der Masse zu unterscheiden, er nutzt auch formelle und auffällige Kleidung, um von seinen Landsleuten erkannt zu werden. Der Bezug zur jeweiligen Gottheit wird hier augenfällig herausgestellt. So wird sich eine Ittalar-Priesterin mit prachtvoller Rüstung und furchterregenden Waffen ausstatten, während ein Xarabar-Konduch die schlichte Eleganz eines Gelehrten oder das stilvolle Habit eines reisenden Abenteurers und Entdeckers bevorzugt.

Es sei noch darauf hinzuweisen, dass der Glaube des Hexameron den Weg in die Hierarchie gleichermaßen Frauen und Männern öffnet. So mag es zwar einzelne Gottheiten geben bei denen die Zahl der Dienerinnen oder Diener verhältnismäßig hoch ist – so gibt es weitaus mehr Frauen im Dienste Torkalas als Männer – offiziell gibt es jedoch keine diesbezüglichen Gebote oder Verbote. Ebenso wird dies bei den verschiedenen im Chanat Llardrien beheimateten Rassen gehandhabt. Ein Ittalar-Konduch aus dem Volk der Oger ist beispielsweise ein sehr überzeugender Verfechter dieser Glaubenslehre!

Besondere Erwähnung bedarf an dieser Stelle der Titel eines Kondaran. Dies sind Gläubige, welche dem hexameritischen Glauben besonders nahe stehen und häufig eine wichtige Funktion in der Hierarchie ausüben, ohne die höheren Weihen erreicht oder erstrebt zu haben. Kondarani halten sich trotzdem streng an die Glaubensregeln und Kodizes der besonders verehrten Gottheit. Sie sind beispielsweise als Tempelwächter, Verwalter oder Aufseher der Tempelsklaven tätig, können aber auch weniger offensichtlich wirken – sei es bei der Verfolgung von Glaubensfeinden oder bei der Suche nach materiellen Überbleibseln der alten Gottheiten und Religionen.