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Vorkhanische Epoche

Alt ist der Boden der llardrischen Heimat, unzählige Kreaturen und Geschöpfe sind über ihn hinweggeschritten, haben auf ihm gelebt und haben ihr Blut auf ihm vergossen. Reiche, Dynastien, ganze Völker haben dem Land zwischen dem langen Chab und dem Fango Stock ihr Siegel aufgedrückt und sind wieder verschwunden. Kurzlebig wie das Gras der Steppe waren sie und nichts blieben von ihren Werken, außer Stein und Asche...

Die Zeiten vor der khanischen Herrschaft im Lande Llardrien sind schon lang dahin und so fällt es dem Historiker doch oft unsagbar schwer die Ereignisse dieser vergangenen Epochen richtig und wahrheitsgemäß darzustellen. Zwar mag es dem geneigten Leser sowieso nicht möglich sein die folgenden Darlegungen auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen, allein, auch der Gelehrte folgt seiner Ehre, welcher durch bloße Vermutungen oder gar pure Erfindungen kaum genüge getan wäre.

Das Land Llardrien ist von Alters her ein Kulturland, welches von den verschiedensten Rassen und Völkern besiedelt wurde, woran nicht zuletzt die günstige und sichere Lage zwischen Gebirgen, Meer und Fluß beteiligt gewesen sein mag. Obwohl diese Gebiete sicherlich im Laufe der Geschichte vielerlei Namen getragen haben mögen, sind jene doch heute längst vergessen und ohne Bedeutung. So will ich also in meiner weiteren Historie stets nur von "Llardrien" sprechen.

Wie es scheint lebte von Alters her ein Menschenvolk an der Meeresküste und siedelte auch in der Steppe, am Fuße des Fango-Stockes. Die Chassidim, wie sie sich nannten, waren Fischer und Jäger, betrieben aber keinen Ackerbau und kannten nur Waffen und Gerät aus Bronze. Die Gebirge hingegen waren von einer wilden und grausamen Trollart bewohnt, welche oft hinab ins Tiefland kamen und die Vorräte der Chassidim raubten, wobei auch die Menschen an sich als Vorräte dienen konnten.
Vermutlich um das Jahr 2000vkE wanderte ein Volksstamm der Oger nach Llardrien ein. Die genaue Herkunft dieser Oger kann heute nicht mehr bestimmt werden, vermutlich flohen sie vor Hungersnöten im Osten des Kontinents.
Den Ogern gelang die Überquerung des Langen Chab und sie besiedelten die bewaldeten Uferregionen des Chab-Sees.
Lange Zeit fürchteten die Menschen, mit den Ogern einen neuen und grausameren Feind bekommen zu haben, jedoch stellte sich heraus, daß die Tarrem-pek durchaus an Frieden und Handel interessiert waren. Schließlich wurden auch sie von Trollen aus dem Delga-Stock geplagt.
Durch ein Bündnis zwischen Ogern und Menschen (etwa 1500 vkE) konnten die Trolle zurückgeworfen werden und neues Land wurde besiedelt. Llardrien erblühte und es entstanden die Vorläufer der heutigen Ortschaften Chatsap, Eintes, UtiLan und Mirmar.
Dies alles muß wohl einige hundert Jahre lang gut gegangen sein, bis sich im Südwesten des Fango ein großer Zwergenclan ansiedelte, welcher aus den Gebirgen im Westen entstammte. Bald verstanden sich die Chassidim gut mit den Zwergen und bestaunten deren eiserne Waffen und Rüstungen. Die Kezack Dun führten jedoch nichts Gutes im Schilde. Überlieferungen nach betrachteten sie die Oger als Tiere und Sklaven, die es zu unterwerfen galt. Die dummen Menschen ließen sich überzeugen und begannen nun, gegen die Tarrem-Pek vorzugehen. Trotz tapferer Gegenwehr unterlagen die Oger zuletzt den Eisenklingen von Zwergen und Menschen. Sie wurden versklavt und im Bergbau, sowie bei der Feldarbeit (eine Kunst die auch von den Zwergen stammte) zur schwersten Arbeit eingesetzt. Die Zeiten der Freundschaft waren vergangen und vergessen.
Um das Jahr 1000 vkE kamen Nordmenschen den Langen Chab hinunter und gründeten das heutige Desbak. Nach einigen kleineren Kriegen mit den benachbarten Chassidim kam es zum "Frieden von Sudschila", in dem sich beide Herrscherhäuser verbanden.
Die folgenden Jahre (etwa 900 bis 600 vkE) sollten als das "Menschen-Zeitalter" Llardriens in die Geschichte eingehen. Chassidim und Larroden verschmolzen im Laufe der Jahre zu einem Volk, die Zwerge gründeten das Bergreich von Anomach und einige Gnome und Elfen siedelten sich in Llardrien an. Das Land wurde urbar gemacht und besiedelt, Straßen wurden gebaut und die mächtige Festung Alchoka entstand. Jedoch sollte man niemals vergessen, daß dies nur durch die Knechtschaft der versklavten Oger gelingen konnte!
Das "Menschen-Zeitalter" endete um das Jahr 600 vkE mit dem Einfall orkischer Horden in Llardrien. Im Laufe der vergangenen Jahre waren nämlich die Trolle in den Gebirgen fast vollständig ausgerottet wurden, was sicherlich bedeutsam für die Besiedlung der Bergregionen war. Allerdings hatten die Trolle stets die Orks aus dem Norden und Osten ferngehalten, da es bei den Orken geheißen hatte, daß Llardrien Trolland sei, von dem man sich tunlichst fernhalten sollte (historische Ereignisse brauchten schon immer einige Jahrhunderte, bevor sie im Orkland allseits bekannt waren). Als nun die Zahl der Trolle immer weiter abnahm, beschlossen gleich vier Orkstämme in das sagenhafte Trolland einzufallen. Die Freude der Orken fast nur Menschen und wohlhabende Städte und Siedlungen vorzufinden ist wohl gut nachzuvollziehen. Die vier Stämme plünderten das Zwergenreich, brandschatzen die Städte und schleiften die Festungen. Tausende Menschen und Zwerge starben und noch weitaus mehr wurden als Beute zurückgeschleppt. In Erinnerung an die unüberschaubaren orkischen Heerscharen spricht man noch heute von diesem Ereignis als von der "Grünen Flut".
So tragisch diese Ereignisse wohl aus menschlicher Sicht scheinen, für die Oger waren sie ein Segen. Die Orken zeigten durchaus Respekt vor den Ogern und befreiten sie aus der Gefangenschaft.
In diesen Zeiten tat sich ein Oger-Führer namens Choroak hervor, welcher mehrere hundert Streiter seines Volkes unter sich vereinigte und zugleich viele eiserne Waffen und Rüstungen der Menschen erbeutete. Er kämpfte gemeinsam mit den Orken tapfer gegen die früheren Unterdrücker und nahm nach der Vertreibung der Menschen das Bergland von Uschguri in Besitz. Hier nun wuchs das neue Volk der Oger heran, welches von jetzt an den Namen Tarrem-Plaar trug. Zwei der orkischen Stämme blieben in Llardrien und siedelten sich im Land der Menschen an. Die beiden anderen kehrten ins Orkland zurück, reich beladen mit Beute und begleitet von tausenden Sklaven.
Den Zwergen war es zwar gelungen ihre Bergfestung Anomach zu halten, aber ihr Reich war zerstört und viele Siedlungen vernichtet. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis sich die Kezack Dun von diesem Schlag erholten.
Auch das Reich der Menschen war vernichtet und nur wenige Städte blieben bestehen. Zwar wuchsen diese Ansiedlungen schnell wieder zu beachtlicher Größe heran, die Gemeinschaft war jedoch zerschlagen und jeder Ort blieb allein für sich.
Die wenigen Elfen und Gnome waren weitgehend verschont geblieben. Frühzeitig hatten sie sich in die Gebirge geflüchtet und kehrten nun langsam wieder zurück. Bald pflegten sie ein gutes Verhältnis zu den Tarrem-Plaar, da ihre Rassen nicht an der Versklavung der Oger beteiligt gewesen waren.
Die folgenden Jahrhunderte bis kurz vor Beginn der khanischen Epoche verliefen ohne außergewöhnliche Ereignisse. Das Land erstarkte langsam wieder, auch wenn es nie den Glanz vergangener Zeiten zurückerlangte. Die Macht der Menschen und Zwerge war gebrochen, zwischen ihnen und den Orks und Ogern war ein Gleichgewicht der Macht eingetreten. Nur gelegentlich kam es in den Grenzgebieten zu Orküberfällen und Plünderungen, doch die Orken ließen Llardrien erst Zeit, sich zu erholen. In solchen Dingen sind sie nicht dumm und ein altes Orkensprichwort lautet: "Tu nich plündern ´en Dorf, daß du grade erst verbrannt hast!". Im Jahre 26 vkE landete jedoch ein menschliches Seefahrervolk an der Küste Llardriens. Die Suwaté kamen aus den Ländern weit südlich des Meeres und brachten einen neuen Glauben mit sich, der die Verehrung des Götterpaares Horamon und Lephria zum Inhalt hatte. Die Fremden beherrschten neue Waffen (z.B. die Armbrust, die Naginata oder den Säbel) und waren furchterregende Kämpfer. Sie eroberten innerhalb weniger Jahre ganz Südwest-Llardrien und bekehrten die dortigen Menschen mit Feuer und Schwert zum neuen Glauben. Die alte monotheistische Religion, welche dem Naturgott Fleesich huldigte, wurde verboten und verfolgt. Auch diese Menschen verachteten die Orken und Oger. Allerdings versklavten sie diese Rassen nicht, sondern versuchten sie auszurotten.
Die Bewohner Llardriens suchten sich so gut als möglich zu wehren und grausige Schlachten, Gemetzel und Kriege erschütterten das Land.

So endete das alte Zeitalter in Feuer, Blut und Asche. Doch eine neue Zeit brach an, eine Epoche, welcher größer und ruhmreicher werden sollte, als alle anderen vor ihr. Die Winde der Zeit schienen einen Augenblick innezuhalten, um dann mit neuer Macht loszubrechen. Dies war der Beginn eines neuen Zeitalters, von vielen die khanische Epoche genannt...