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Khanische Epoche

Das Land lag darnieder, rauchverhangen waren die höchsten Gipfel des Fango und rot vom Blute der Erschlagenen wälzte sich der Lange Chab dem Meer entgegen. Fremde Menschen mit fremden Göttern zogen über die weiten Ebenen und unter ihren stählernen Stiefeln erzitterte der Boden der Heimat. Alle Hoffnungen des llardrischen Volkes schienen zerstoben...

Das kämpferische Volk der Suwaté schien nicht nur ungemein erfolgreich, sondern schier unbesiegbar zu sein. In drei Feldschlachten hatten sich die llardrischen Stadtstaaten den Eroberern entgegengestellt und jedesmal wurden sie vernichtend geschlagen. Alsbald gaben die Menschen jeglichen Widerstand auf, legten ihre Waffen nieder und nahmen den absonderlichen Glauben an die neuen Gottheiten an.
Allein die Orks und Oger im Hochland von Uschguri verzagten nicht. Nur allzu deutlich stand ihnen ihr Schicksal vor Augen, wenn sie ihre Heimat nicht tapfer verteidigen würden. In den wenigen Jahren seit die Suwaté gelandet waren und ihren Eroberungszug begonnen hatten, waren immer mehr Orken und Oger zu ihren Brüdern hinauf ins Hochland geflüchtet und man war in der Zwischenzeit auch nicht untätig geblieben. Befestigungen waren errichtet worden, Waffen und Rüstungen wurden geschmiedet und man hob Truppen aus.
Bald stießen auch Zwerge, Elfen und Gnome zu den Verteidigern im Hochland und brachten Kunde aus den Steppenregionen. Die Suwaté verfolgten in ihrem Wahn alle Rassen, welche nicht menschlich waren und suchten diese zu töten.
In solchen Zeiten der Not erwählten die Bedrohten einen Führer aus ihrer Mitte. Er erhielt den Titel eines Heerführers oder Kriegsherrn, was in einer der alten Sprachen auch als Khan bezeichnet wird. Hier nun erkennt der historisch interessierte Leser die Ursprünge der Khans-Würde!
Der Khan war ein tapferer Recke und ein erfahrener Krieger, dessen Herkunft jedoch schon lange in Vergessenheit geraten ist.
Anstatt den unaufhaltsamen Ansturm der Suwaté abzuwarten führte er ein starkes Heer am Fuße des Fango-Stocks entlang und eroberte in einer Nacht und Nebel Aktion die nur leicht besetzte Festung Alchoka, welche von den Suwaté wiederaufgebaut worden war.
Währenddessen fielen die versammelten Truppen der Menschen in das Hochland von Uschguri ein, wo sich zwar noch immer ein starkes Kontingent aus Ogern, Orks, Elfen und Gnomen aufhielt, welches aber zu schwach war, um den feindlichen Ansturm aufzuhalten. Allein, die Pläne des Khan waren auch von anderer Art und so zogen sich die Verteidiger immer weiter in das Hochland zurück und ließen den Feind, abgesehen von einzelnen Scharmützeln und Hinterhalten, hinter ihnen in die Wildnis vorrücken.
Schon längst hatte man Frauen und Kinder, sowie Waffen und Vorräte hinauf in die Bergfestungen gebracht, wo schlaue Zwerge und Gnome bereits an den Verteidigungsanlagen und an schweren Waffen werkelten.
Die vorrückenden Suwaté fanden im Gebiet von Uschguri zwar nur verlassene Ortschaften und niedergebrannte Kornspeicher vor, doch wurden sie vom Tiefland aus gut versorgt und glaubten sich des Sieges sicher sein zu können.
An diesem Punkt der Ereignisse griffen die Truppen des Khan ein. Sie überfielen die Nachschublieferungen der Eroberer und ließen nicht einen Karren nach Sudschila durchfahren. Alle Vorräte wurden in der Festung Alchoka eingelagert und bevor der Feind in UtiLan und Sudschila den Ernst der Lage richtig erkannt hatte, wurden die Vorräte für die Truppen knapp. Der werte Leser mag hierbei bedenken, daß zu diesen Zeiten die größten Felder und Plantagen des Landes in den Küstenregionen und um UtiLan herum zu finden waren. Sudschila selbst war kaum in der Lage alle Bewohner und dazu noch ein ganzes Heer über längere Zeit zu versorgen. Inzwischen war das Heer der Menschen bis weit hinter Dschisduri vorgestoßen und begann mit der Belagerung der Bergfestungen. Diese Felsbauten waren jedoch hervorragend gesichert und besetzt, so daß den Suwaté nur die Möglichkeit blieb sie auszuhungern. Es dauerte jedoch nicht lange bis den Belagerern selbst die Nahrungsmittel ausgingen, während die Besatzungen der Festungen noch gut versorgt waren.
Währenddessen entsandte der Heerführer der Suwaté noch immer in Unkenntnis der genauen Lage Truppen, welche die Straße nach Sudschila befrieden sollten. In einer offenen Feldschlacht am Fuße Alchokas brachte der Khan den Eroberern eine schwere Niederlage bei und erzielte damit den ersten Schlachtensieg über die Suwaté.
Kaum war dies geschehen, stürmten er mit seinen Mannen in Eilmärschen auf Sudschila zu. Die Zugänge der Festung Alchoka wurden unpassierbar gemacht und nur eine kleine Schar tapferer Recken blieb zu ihrer Verteidigung zurück.
Zu diesem Zeitpunkt beging der Stadtherr von Sudschila einen schweren Fehler. Da er bemerkte, daß die Versorgung seiner Truppen im Hochland nicht mehr aufrechtzuerhalten war, wollte er den Feind in möglichst kurzer Zeit niederwerfen. So entblößte er seine Garnison fast vollständig all ihrer Soldaten und schickte diese mit den letzten Vorräten hinauf ins Gebirge. Noch während diese Truppen unterwegs waren erreichte der Khan die Stadt Sudschila und nahm die unterbesetzte Garnison im Sturm. Alle Suwaté starben in der Schlacht oder wurden anschließend zur Strafe in ihrem Tempel eingemauert.
Ein großer Sieg für Llardrien, fürwahr! Doch noch kannte der Khan kein Ruhen und kein Rasten. Die Bergfestungen widerstanden noch immer tapfer den frischen Truppen der Suwaté, doch lange konnte dies nicht mehr so weitergehen.
Wieder sammelte der Khan seine Truppen um sich, doch bevor er hinauf ins Gebirge zog rief er die alten menschlichen Adelshäuser Sudschilas zusammen und verlangte von ihnen den Treueschwur. Dann übergab er die eroberte Stadt in ihre Obhut, denn keiner seiner Getreuen wollte zurückbleiben, wenn es um die Befreiung der Bergfestungen ging. Wieder eilten die Oger, Orks, Elfen, Gnome und Zwerge dem Feind entgegen und kaum jemand mag heute noch glauben wie die Not ihrer Gefährten sie bis zur Erschöpfung vorantrieb.
Die neue Garnision der Suwaté in Uschguri wurde niedergebrannt und dann, fast schon am Ende aller Hoffnungen (seit Wochen hatten die Belagerten nichts mehr vom Khan gehört), erreichte der Khan die Bergfestungen. Schrecklich wüteten er und seine Mannen unter den Suwaté, welche ihren Belagerungsring kaum gegen äußere Angriffe geschützt hatten. Auch die Mannschaften der Festungen wagten einen letzten Ausfall und so wurden die Suwaté restlos besiegt - zermalmt wie Körner zwischen zwei Mahlsteinen!

Noch viele tapfere Taten geschahen in diesen Kriegsjahren, man denke nur an die Belagerung Alchokas und die Befreiung dieser Festung durch khanische Truppen.
Letztendlich hielten die Suwaté noch immer UtiLan, sowie die Regionen entlang des Chab, bis hinauf nach Desbak. Trotzdem war ihre Macht gebrochen und der Khan blieb siegreich.
Betrüblich war nur der Verrat der Herren von Sudschila, welche ihren Schwur dem Khan gegenüber brachen und diese Stadt für sich beanspruchten. Der Khan jedoch, der sich nicht in sinnlosen Scharmützeln aufreiben lassen wollte, ließ die verräterischen Menschen einstweilen gewähren.
Alchoka wurde inzwischen zum Bollwerk gegen den Feind ausgebaut und auf diese Weise entstand die mächtige Festungsanlage, welche noch heute der Sitz des Khan ist.

An dieser Stelle nun mag der geneigte Leser mir für meine genauesten Ausführungen dieser Ereignisse verzeihen, jedoch waren dies wohl historische Geschehnisse die eine unglaubliche Bedeutung für Llardrien hatten und das Volk noch heute mit Stolz und Dankbarkeit erfüllen. Viele geschichtsträchtige Orte und berühmte Helden des Landes gehen zudem auf diese Zeit zurück. Man denke nur an die Schluchten von Taschbedek, an Krjumbar den Boten oder an Burz Steinschädel!

Einige Jahre gingen ins Land und selbst nachdem sich die kriegführenden Parteien von ihren Verlusten erholt hatten blieb die Lage stabil.
Der Khan hielt Alchoka sowie das gesamte Hochland von Uschguri, zudem eroberten die Zwerge mit seiner Unterstützung im Jahre 55 kE ihre Bergsiedlungen Praket und Amchou zurück. Die Suwaté beherrschten UtiLan und die südwestlichen Regionen, dazu Desbak und die ganze Südgrenze.
Sudschila hat sich zu einem Stadtstaat der Menschen aufgeschwungen und nannte sich "Mark Charid", nach dem neuen Obmann der die Herrschaft übernommen hatte.
Um den interessierten Leser nicht zu langweilen möchte ich die folgenden gut zweihundert Jahre nur kurz umreißen, denn genaugenommen geschah nichts wirklich Bedeutsames während dieser Epoche.
Die Fronten verhärteten sich, es kam aber abgesehen von den üblichen kleineren Grenzstreitigkeiten und Überfällen, zu keinen ernsthaften Kampfhandlungen. Trotz ihres Glaubens paßten sich die Suwaté schnell an und bald unterschieden sie sich kaum noch von den llardrischen Menschenrassen, mit welchen sie sich vermischten (wenn auch die alten Familien des Landes tunlichst darauf bedacht waren ihre Blutlinie vor den Suwaté zu schützen).
105 kE kam es in Desbak zu einem Aufstand, bei dem der Stadtherr abgesetzt wurde und ein neuer Obmann die Unabhängigkeit erklärte. Sudschila unterstützte diesen neuen Stadtstaat anfänglich, bis es auch zwischen diesen Partnern zu Auseinandersetzungen kam.
Im Jahre 138 kE folgte Pachegunda dem Beispiel Desbaks und erhob sich erfolgreich gegen die Besatzer. Somit belief sich die Provinz der Suwaté bald nur noch auf das Dreieck Ob ar Menes, UtiLan und Chatsap - womit sie noch immer den Zugang zum Meer versperrten (das Delta des Langen Chab war und ist noch immer für große Schiffe kaum passierbar).
Erwähnenswert ist wohl auch noch, daß sich etwa ab dem Jahre 150 kE ein neuer Glaube im Lande ausbreitete. Die Wurzeln des Hexameron-Glaubens sind heute nur noch schwer nachzuvollziehen, scheinbar lebte diese Religion in Uschguri auf und verdrängte fast unbemerkt den Glauben an Fleesich und die Überbleibsel der Suwaté-Religion.
204 kE belagerten die Suwaté letztmalig die Festung Alchoka, mußten jedoch nach gut drei Jahren unverrichteter Dinge wieder abziehen.
Im Jahre 267 kE versuchte die Mark Charid im Hochland Fuß zu fassen und Zugang zu den dortigen Erzminen zu erlangen. Nachdem dieser Versuch jedoch scheiterte und die Truppen blutig zurückgeschlagen wurden, verlegten sich die Menschen auf Fehden untereinander. So kam es in den nächsten Jahrzehnten immer wieder zu kleineren Kriegen zwischen Pachegunda, Desbak, Sudschila und den Suwaté (mit ständig wechselnden Bündnissen, Verträgen, Abkommen, Heiraten und Geiselnahmen - ein Graus, selbst für den wahren Historiker! Wer Näheres darüber erfahren möchte lese doch bitte in Quirtosems d. Ä. "Historia Llardria" nach, Band 9 bis 23). Die anderen Rassen, welche sich schlicht als "llardrischen Bund" bezeichneten, blieben auf wundersame Weise von diesen Zwisten verschont und erstarkten langsam zu einer neuen Macht im Lande.
Da auf Grund der dauernden Kriege zwischen den Menschen ein regelmäßiger Bedarf an Soldaten entstand, stellten sich immer mehr Orks und Oger als Söldner zur Verfügung. Durch Wildheit und beachtliche Stärke waren sie den menschlichen Kriegern im Regelfall überlegen und wurden somit von jeder Kriegspartei gerne angeheuert. Hier findet man also die ersten historisch belegbaren Wurzeln des llardrischen Söldnertums.
Im Jahre 312 kE wurde die llardrische Söldnergilde "Eisenfaust" von mehreren Söldnerveteranen der vergangenen Kriege gegründet. Ihr Anliegen war es, daß nicht mehr Söldnerkameraden gegeneinander kämpfen mußte, nur weil sie nicht wußten, wer beim Gegner angeheuert hatte. Die Gilde, welche auch heute noch besteht, leistete und leistet hervorragende Dienste bei der Informationsbeschaffung und der Aushandlung von Kontrakten. Zudem steht sie immer schon in direktem Kontakt mit dem Khan und befolgt dessen politische Leitlinien.
343 kE fielen erneut Orkhorden in Llardrien ein und plünderten die Küstenregionen, sowie die Ebene. Der "llardrische Bund" blieb weitgehend verschont.
Im Jahre 346 kE kam es zum "Tharing von Alchoka", einer Zusammenkunft aller Stadtstaaten und Parteien unter Vorsitz des Khan.
Der Khan hatte die ewigen Kriege und Streitigkeiten der Menschen satt und stellte ein unmißverständliches Ultimatum. Sollten die Menschen nicht seine Oberhoheit als Khan von ganz Llardrien binnen eines Monates anerkennen, würde er die Zusage eben mit Waffengewalt erzwingen.
Nach reiflicher Überlegung stimmten Pachegunda und Desbak dieser Forderung zu und traten in konkrete Verhandlungen mit dem Khan. Die Suwaté konnten dies nicht mit ihrem Glauben verbinden und forderten den Khan ehrenvoll heraus. Die Herren von Sudschila verhöhnten ihn jedoch und prahlten mit der Stärke ihre Festung.
Im Frühjahr 347 kE starteten die Suwaté und die Mark Charid einen Angriff gegen Alchoka, dem lange Geheimverhandlungen vorausgegangen waren. Doch durch glückliche Umstände war der Khan schon längst über alles informiert und nun führte er seinerseits Truppen ins Feld. Während Sudschila und UtiLan beachtliche Heere gegen die Khan-Festung entsandten, fuhren Krieger aus dem Hochland und Verbündete aus Desbak mit Schiffen den Langen Chab hinunter und vereinigten sich dort mit Streitern aus Pachegunda.
Währenddessen verlief die Belagerung Alchokas recht erfolgreich und die Heere von Charid und Suwaté glaubten zu obsiegen. Doch dann traf die Nachricht ein, daß UtiLan seinerseits von Truppen eingeschlossen sei. Ohne zu zögern eilten die Suwaté zurück, um ihre Hauptstadt zu sichern.
Die Soldaten des llardrischen Bundes hatten jedoch nur einen halbherzigen Angriff gegen die Stadt geführt und waren danach dem Feind entgegen gezogen. Zwei Tage später lauerten sie den anrückenden Suwaté in der Steppe auf und brachten diesen eine schwere Niederlage bei. Die überlebenden Suwaté konnten nicht durchbrechen und flohen zurück nach Alchoka, den Feind dicht auf den Fersen.
Da aus der Mark Charid keine Entsatztruppen zu erwarten waren (im Hochland lauerten Orks und Oger nur auf einen solchen taktischen Zug), kapitulierten die vereinigten Heere der Suwaté und der Charid am 16.Mai 347 kE.
Es dauerte nur wenige Wochen bis auch die letzten Ortschaften erobert waren und am 1.Dezember 347 kE rief der Khan in Sudschila das Chanat Llardrien aus. Das Land war geeint!

Die folgenden Jahre standen ganz im Zeichen der vollständigen Einigung des Landes. Der Khan war natürlich sehr darauf bedacht seine Macht zu sichern und den momentanen Stand der Dinge zu erhalten.
In den neuen Städten wurden Garnisonen errichtet und der Khan versammelte Angehörige der alten Familien an seinem Hof in Alchoka. Dort dienten sie als Botschafter ihrer Städte und zugleich als Geiseln. Auch Straßen wurden in Stand gesetzt und der Handel begann zu erblühen.

An dieser Stelle will ich nun auf die langjährige Isolation und Abschottung des Landes zu sprechen kommen. Llardrien ist bereits von der geographischen Lage her isoliert und zwischen ihm und den anderen Reichen der Ostlande liegen die weiten und gefährlichen Orkregionen. Zwar steht auch noch der Seeweg offen, doch wurde dieser, wie man der Geschichte unschwer entnehmen kann, über Jahrhunderte hinweg von den Suwaté beherrscht, welche unter eigener Flagge fuhren. Erst die Bestrebungen des Khan in jüngster Zeit haben ein Schiffsbauprogramm ins Leben gerufen, daß zum Aufbau einer eigenen Flotte beitragen soll (man denke auch an den Holzmangel in Llardrien).
Ein weiterer Grund mag wohl gewesen sein, daß der Kontakt mit fremden Rassen für die Llardrier bisher nicht viel Gutes bedeutet hatte. Stets hatte dies nur Krieg und Eroberung mit sich gebracht. Auch lag die llardrische Wirtschaft förmlich am Boden und so schien eine Abschottung des Marktes (zumindest für einige Zeit) sehr nützlich zu sein.
Man mag sagen was man will, doch diese Politik scheint Erfolg gehabt zu haben und heute öffnet sich Llardrien der Welt als ein machtvolles und wohlhabendes Land, bereit an den Tisch der Weltpolitik heranzutreten.

Da im Landesinneren kaum noch Kriegshandlungen zu verzeichnen waren zogen viele Söldner in den Nordosten und kämpften an der Seite der Orken. Hier gab es stets und regelmäßig Kriege und auch die Beute war nicht zu verachten (meist Rohsilber und Sklaven). So kommt es, daß Llardrien trotz Abschottung und innerem Frieden noch immer über ein starkes Söldnerheer verfügt - das ist sozusagen zu einem ehrbares Handwerk geworden...

Im Jahre 399 kE hatten sich in dem Städtchen Mirmar mehrere übel beleumdete Magier zu einem Bund zusammengeschlossen und versuchten der alteingesessenen llardrischen Magiergilde Konkurrenz zu machen. Die ersten Truppen die man entsandte, um dieses Problem zu bereinigen wurden fast restlos aufgerieben als der Feind mehrere beschworene Dämonen auf sie hetzte. Die folgenden zwei Jahre blieb der Magierbund somit weitgehend ungestört, da konventionelle Truppen kaum etwas gegen übernatürliche Wesen ausrichten konnten. Dämonen und andere Kreaturen suchten das Umland von Mirmar heim und verbreiteten Angst und Schrecken.
Doch der Khan blieb nicht untätig. Er holte Krieger, Magier und Priester zusammen und hieß sie, eine neue Gemeinschaft zu gründen, welche sich mit solchen Problemen zu beschäftigen hätte. Nach den üblichen Kompetenzstreitigkeiten und ermüdenden Debatten entstand so "Thorins Bund", eine kampfstarke Truppe, die sich hauptsächlich mit der Jagd auf übernatürliche Gegner beschäftigen sollte und dabei alle weltlichen und arkanen Mittel einsetzte die dazu erforderlich sind.
Nachdem mehrere Beschwörer durch gezielte Anschläge ins Jenseits befördert worden waren, brachten sich die nun freien Dämonen größtenteils gegenseitig um, der Rest wurde zur Strecke gebracht. Die übrigen Magier wurden von einer Klippe gestürzt - eine beliebte Strafe für magische Verbrechen in Llardrien (wenn keine hohe Klippe da ist, muß man nur heftig genug stürzen).
424 kE stellten zwergische Bauleute die Gebirgsbrücke von Prik fertig. Eine atemberaubende Konstruktion, welche sich mit drei steinernen Bögen, gut hundert Schritt über dem schäumenden Chab, von einem Ufer zum anderen schwingt. Auch Felstor - die trutzige Grenzfeste - ist echte Zwergenarbeit. So mancher wagemutige Orküberfall (die verrückten Grünhäute versuchen auf Flößen den Langen Chab hinunterzufahren und dann in das Tiefland einzufallen) fand hier schon sein plötzliches und endgültiges Ende.
Im Laufe der Zeit kam es im Land immer wieder zu Hungersnöten die viele Opfer forderten. Es sollten Jahrzehnte vergehen bis Bewässerungssysteme und neue Getreidesorten diese Zustände merklich verbesserten.
Im Jahre 435 kE gestattet der Khan erstmals den Bau von weiteren Gebäuden am Fuße der Festung Alchoka. Die Stadt die recht schnell entsteht fällt mehrmals Belagerungen zum Opfer, ist aber der Ursprung der jetzigen Hauptstadt des Landes. Bis zum heutigen Tage müssen die Gebäude jedoch einen gebührenden Abstand zum Burgberg halten - schließlich soll die Wehrhaftigkeit Alchokas nicht beeinträchtigt werden.
493 kE plünderten Orks Ob ar Menes und zogen sich danach wieder über die Grenze zurück. Um das Jahr 500 kE herum gelang es eine Rasse wilder Steppenrinder aus den Orklanden in Llardrien zu domestizieren - ein guter Beitrag zur Ernährung des Landes und zudem Basis für die bekannten Lederharnische aus einheimischer Produktion.
Nach einigen Zwischenfällen mit Vampiren, Werwölfen und anderem Gesindel wurden 534 kE die "Pflock und Silber Gesetze" erlassen, welche solche Seins-Zustände als ansteckende Krankheit deklarieren und sie bei Strafe verbieten.
In diese Zeit fällt auch eine verstärkte Suche nach Bodenschätzen in den llardrischen Bergregionen. Bisher waren deren Förderung und Verarbeitung fest in Zwergenhand, doch diese konnten bald den Bedarf eines aufstrebenden Landes nicht mehr decken. Vor allem im Fango-Stock wurden reichhaltige Erzlagerstätten entdeckt und nach einigen Rückschlägen lief die Förderung gut an. Bei der Verarbeitung der Metalle mangelte es jedoch stets an fähigen Schmieden und selbst heute sucht Llardrien noch solche Handwerker.
575 kE waren die letzten richtigen Wälder dem Bergbau zum Opfer gefallen (Stempel, Verschalungen, usw.) und es herrschte ein akuter Holzmangel. Kraft einer khanischen Verordnung wurde das Fällen von Brennholz verboten, Bäume standen nur noch als Baumaterial zur Verfügung. So heizt man in Llardrien seit dieser Zeit typischerweise mit getrocknetem Rinderdung und Torf.
Im Jahre 594 kE fanden Alchimisten in Uschguri eine Möglichkeit nichtrostenden Stahl herzustellen! Nach mehreren Monaten emsiger Produktion kam es zu einem tragischen Unfall, bei dem alle Alchimisten ums Leben kamen. Die Täter wurden nie gefunden, nur eine Zwergenaxt blieb auf mysteriöse Weise am Tatort zurück. Die Fertigungsmethode nahmen die Mordopfer leider mit ins Grab.
633 kE kam es mit zunehmender Häufigkeit zu schweren Erbfolgestreitigkeiten zwischen den adligen Familien des Landes. Die Besitztümer wurden immer wieder zerstückelt und vererbt, bis kaum noch etwas da war und sich in manchen Fällen zwei Adlige einen Leibeigenen teilen mußten. Um weiteren Problemen vorzubeugen schaffte der Khan im selben Jahre den Erbadel ab und nahm somit allen Grund und Boden in seinen Besitz. Von nun an kann man zwar ein Lehen vom Khan erhalten, es geht aber nach dem Tode des Eigners wieder an die Krone zurück. Nachdem sich einige wütend protestierende Adlige ziemlich schnell in den Erzminen wiederfanden, freundeten sich alle Betroffenen schnell mit dieser neuen Regelung an.
Von 639 bis 665 kE kam es in den angrenzenden Orkgebieten zu schweren Kämpfen zwischen verbündeten Clans. Die Choug-har - ein Zusammenschluß von drei Clans, stritten sich mit den Trak-them - einem Bund aus vier Clans, um den Besitz der Landstriche südlich des Gebirgsgürtels. Zur Vertretung llardrischer Interessen wurden starke Söldnerkontingente entsandte, welche zuerst bei den Trak-them anheuerten und später zu den Choug-har überliefen. Nach unzähligen Schlachten und internen Zwistigkeiten obsiegten letztendlich die Choug-har und nahmen das Land in ihren Besitz. Für Llardrien sprangen dabei mehrere lohnende Verträge und viele Kriegsgefangene heraus.
Ein weiteres Ergebnis der Orkkriege war die Heeresreform, welche von 665 bis 670 stattfand. Die llardrischen Truppen wurden in leichte und schwere Infanterie, sowie in Unterstützungseinheiten unterteilt, es gab neue Dienstgrade und veränderte Truppenkonstellationen. Auch moderne Waffen und Kampftaktiken fanden Einfluß in dieser Reform. 683 kE fand der erste Ratstag von Alchoka statt. Zu diesem Anlaß fanden sich die fähigsten Männer des Landes, aus den Bereichen Religion, Handel, Handwerk, Gelehrtheit, Magie und Kriegswesen, am Hofe des Khan ein und ermittelten durch verschiedene Tests und Wettstreite jeweils die Besten aus ihrer Gruppe. Aus diesen Siegern stellte der Khan seinen neuen Beraterstab zusammen, der ihn von nun an bei den Regierungsgeschäften unterstützen sollte. Von diesem Tage an findet aller zehn Jahre ein neuer Ratstag statt, bei dem die alten Mitglieder ihren Posten verteidigen müssen.
Um das Jahr 688 kE wird in Ob ar Menes mit dem Bau eines Grenzwalls zwischen dem Sunt von Chatsap und den Ausläufern des Fango begonnen. Die Arbeiten an diesem monumentalen Werk dauern bis heute an - zumindest die Grenzstadt selbst ist inzwischen recht gut befestigt. In den Jahren von 691 bis 705 kE wurde die Khansfeste Alchoka weitgehenden Umbaumaßnahmen unterzogen. Neben modernen Wehr- und Befestigungsanlagen entstand zudem eine Bibliothek (deren Leiter ich zu sein die Ehre habe) und ein Alchimistenlabor (wo man die meiste Zeit damit zubringt Gold in Abfall zu verwandeln - womit ich meinen werten Kollegen keinesfalls zu nahe treten will!).
Im Frühjahr des Jahres 707 wurde der am Chab See gelegene Ort Brombak von einem schrecklichen Ungeheuer heimgesucht, etliche Einwohner fanden dabei den Tod. Das riesige Echsenwesen schien in den Tiefen des Sees zu hausen und überfiel auch einige Flöße und Boote. Der Khan setzte ein großzügiges Kopfgeld auf die Bestie aus und so mancher Söldner versuchte sein Glück auf der Jagd. Die Echse war jedoch ungeheuer stark und erlegte ihrerseits so manchen Abenteurer. Erst im folgenden Jahr gelang es einem Zwerg namens Tarr-Bomm das Wesen zu erledigen. Er errichtete auf den Klippen von Brombak eine gewaltige Wurfmaschine, welche Steinbrocken von der Größe eines Ochsen zu schleudern vermochte. Als sich die Bestie von einigen Rinderkadavern an den Strand locken ließ zerschmetterte ein wohlgezielter Brocken ihren mächtigen Rumpf. Der riesige Schädel der Echse ziert heute die Thronsaaldecke in Alchoka. Nach über zweihundertjähriger Bauzeit (mal mehr und mal weniger intensiv) wurde im Jahre 710 kE der Hochtempel von Sudschila fertiggestellt und geweiht. Von nun an entwickelte sich hier das Zentrum des llardrischen Klerus.
Im Frühjahr 714 kE trat der Lange Chab in ungeahntem Ausmaß über seine Ufer und verwüstete große Teile von Pachegunda und Eintes. Allerdings kehrte der Fluß (und damit auch der Chab See) nicht in sein gewohntes Bett zurück, sondern behielt einen um gut einen Meter erhöhten Wasserstand bei. Somit wurden große Landflächen in der Ebene dauerhaft überflutet. Eine 716 kE entsandte Expedition sollte dem langen Chab bis hinauf zur Quelle folgen, um genaue Kunde über die Ursprünge dieser Katastrophe zu bringen. Bis zum heutigen Tage bleiben diese Abenteurer jedoch verschollen.
Ab dem Jahre 718 kE begann sich das Land auch nach außen hin wieder zu öffnen. In Chatsap entstanden Schiffswerften und khanische Truppen begannen mit der Erkundung und Instandsetzung der alten Handelsstraße in den Westen.
721 kE wurde in UtiLan die "Halle der Eisenfaust" eröffnet. Auf dem weitläufigen Gelände der Söldnergilde fanden und finden von nun an sogenannte Söldnerproben statt, bei denen einzelne Krieger und ganze Einheiten auf ihre Fähigkeiten und ihr Können hin überprüft werden. Im Jahre 723 kam es zu Begegnungen und Verhandlungen zwischen dem Chanat Llardrien und einigen anderen Reichen Ostlande. Erste Verträge wurden abgeschlossen.

Nun dämmert das neue Jahr herauf und mit ihm eine neue Ära für Llardrien. Söldner und Abenteurer ziehen hinaus in die Welt, um Unbekanntes zu sehen und Neues zu erleben. Doch auch das Land selber steht nun den Fremden offen und so manchen Ort, der zuvor nie etwas von unserem schönen Chanat vernommen hat, erreicht nun die Kunde vom stolzen und rauhen Llardrien. Die Zeit mag zeigen was dies dem Lande bringen wird...