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Das llardrische Volk und seine Eigenheiten

Die letzte große khanische Volksschätzung (man beachte hierzu die Erläuterungen am Ende dieses Pamphletes) im Jahre 731 k.E. ermittelte für das gesamte Chanat eine Bevölkerungszahl von mindestens 41.000 Personen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Verteilung der Bevölkerung auf die gesamte Fläche des Chanates keinesfalls gleichmäßig erfolgt. Während die wenigen großen Städte mit einer hohen Bevölkerungszahl auftrumpfen zählen die Siedlungen und Lagerplätze bereits häufig weniger als einhundert Köpfe. Weite Teile der Ebene und der Gebirge sind dagegen kaum besiedelt und bieten den umherziehenden Nomadenfamilien und ihren Viehherden reichlich Platz.


Neben den Menschen, welche die größte Bevölkerungsgruppe im Chanat bilden, stellen auch Orks und Oger einen erheblichen Anteil der Bevölkerung. Gerade im Militär und dem allseits beliebten Söldnerhandwerk übernehmen sie häufig hohe Positionen. Selbstverständlich sind sie voll anerkannt und haben alle üblichen Rechte und Freiheiten, was bei einem Herrscher wie dem Khan auch nicht verwundern sollte.
Wesentlich geringer an der Zahl – aber immer noch als Volksgruppen beachtenswert – sind Gnome, Elfen, Zwerge und Goblins. Während sich die Gnome aber auf die Stadt und die Region Prik beschränken und die Goblins als Nomaden die Fleesich Ebene bevorzugen, bilden die Elfen in den meisten größeren Städten kleine Enklaven. Die Zwerge haben sich insbesondere in den Regionen mit vielen Minen niedergelassen, sind aber auch in den Städten als gern gesehene Schmiede zu finden.
Auch andere Rassen sind im Chanat anzutreffen und werden allseits akzeptiert – zumindest wenn sie eine Waffe tragen, vernünftige Ansichten haben und bereit sind die eine oder andere Münze springen zu lassen. Gerade durch die Beschäftigung als Söldner in anderen Reichen sind viele Llardrier recht gelassen, wenn es um im Chanat bisher unbekannte Rassen und Kreaturen geht.

Das Wesen und Naturell der Llardier lässt sich hingegen schwerlich in Worte fassen. An dieser Stelle sei der berühmte Ausspruch des großen llardrischen Denkers Krachágark zitiert: „Wenn Du einen Sack voller Schädel hast, so nützt es nicht nur einen einzelnen Schädel anzuschauen, um den Inhalt des Sackes zu kennen! Manche Schädel haben goldene Zähne…und an manchen sind noch leckere Fleischfetzen dran.“
Es soll an dieser Stelle also davon Abstand genommen werden „den“ Llardrier zu beschreiben. Allein schon mit Blick auf die vielen im Chanat vertretenen Rassen und Professionen wäre dies ein nutzloses Unterfangen. Allerdings sollen einige beispielhafte Punkte benannt werden, welche doch häufig bei Llardriern festzustellen sind und welche möglicherweise dabei helfen dieses Volk zu verstehen:
Das Tragen von Waffen und Rüstungen gehört für Llardrier zu den normalen und üblichen Dingen des Lebens. Der Umgang mit diesen Gerätschaften wird von Kindesbeinen an erlernt, findet häufig seine Fortsetzung im Dienst als Söldner, Leibwächter oder Kopfgeldjäger und endet mit der griffbereiten Streitaxt neben der Schlafstatt des Greises. Das Chanat ist kein besonders freundliches und friedliches Land und so finden sich immer wieder Gelegenheiten, bei denen es sich empfiehlt eine Waffe bei der Hand zu haben oder Leib und Leben mit einer Lage Kettengeflecht oder Leder zu schützen.

Llardrien ist ein raues Land, mit Staubstürmen in der Ebene, Unwettern in den Gebirgsregionen, bitterkalten Wintern und heißen trockenen Sommern. Obwohl die llardrischen Siedlungen zunehmend mit ausreichend großen Häusern und allerlei zivilisatorischen Annehmlichkeiten auftrumpfen, bringt ein solches Land doch zumindest Menschen, Orks, Oger oder Elfen hervor, welche auch in der Lage sind die eine oder andere Reise durch die Wildnis zu bestehen und die sich nicht immer nur in Samt und Seide hüllen, um dann über den Schlamm auf ihren Pantöffelchen zu jammern.
Zudem wird es nicht verwundern, dass das Chanat - zumindest bisher - kein Volk von Dichtern, Gelehrten und Schöngeistern hervorgebracht hat. Zwar gibt es immer wieder rühmliche Ausnahmen – man denke nur an den inzwischen verschollenen Waworack von Roktati oder den berühmten Quiertosem Natok – doch der gemeine Llardrier kommt mit dem Streitkolben besser aus als mit der Schreibfeder und widmet sich eher einem gebräuchlichen Handwerk, als über den Sinn seiner Existenz oder eine zu bevorzugende Staatsform zu philosophieren.
An dieser Stelle wollen wir es nun bei diesen drei Punkten belassen und empfehlen jedem Fremden: Wenn Du die Llardrier verstehen willst, so reise nach Llardrien!


 

Die in Llardrien üblichen Volksschätzungen sind nicht mit Volkszählungen zu verwechseln! Bei einer Schätzungen werden alle Bewohner eines Lagers, einer Siedlung oder einer Stadt zu einem festgelegten Zeitpunkt auf einem Platz zusammengetrieben. Anschließend erklimmt ein professioneller Schätzer einen Turm, einen Felsen oder einen anderen Punkt mit guter Aussicht auf die Masse und unternimmt insgesamt drei Schätzungen. Zwischendurch wird die Menge immer wieder durch anwesende Soldaten durcheinander gescheucht. Aus den drei Ergebnissen wird im Anschluss an die Schätzung ein Mittelwert errechnet, welcher sodann dem zuständigen Molochai in Alchoka übermittelt wird. Dieser rechnet alle Schätzungen des Chanates zusammen, zieht einen Prozentsatz für zufällig einberechnete Ziegen, Ochsen, fremdländische Reisende, mitgebrachte Helme oder auffällige Buckel ab und erhält so das Endergebnis der Volksschätzung. Dieses wird in eine Lehmtafel gepresst und irgendwo unter der Khansfeste eingelagert. Zudem erhält der Khan eine kurze Meldung über den Stand der Dinge.